Chronik des 11er-Rat-Kolping-Kempen

1945, der zweite Weltkrieg war zu Ende. Die Menschen sehnten sich nach Frohsinn und Heiterkeit. Sie wollten wieder etwas erleben oder gestalten. Einigen Mitgliedern der damaligen Kolpingfamilie, kam der Gedanke, der schon seit langem in ihren Reihen geisterte, eine närrische Sitzung ins Leben zu rufen.

1947 kann als das Gründungsjahr des heutigen 11er-Rat-Kolping-Kempen betrachtet werden.

Unter der Leitung von Heinrich Poethen als Regisseur, nahm Jakob Averbrock als Präsident das Zepter in die Hand und die Planung "Sitzung" nahm ihren Lauf.

Weitere gestandene Kempener Handwerker standen dem Präsidenten, sowie dem Regisseur tatkräftig zur Seite.

Michael Hegger, Heinrich Jansen, Peter Jansen, Peter Kiewitz, Willi Kleinebrecht, Vater Wilhelm Krabler und Sohn Ludwig, Josef Kresken, , Otto Pesch und Otto Wiedefeld waren die Herren der ersten Stunde.

Die Probsteikirche St. Marien war durch den Krieg zerstört und noch nicht wieder hergestellt. Als Notkirche diente der Saal des alten Kolpinghauses am Hessenring. Dies wiederum hatte zur Folge, dass nach der Karnevalssitzung am Samstag alles abgebaut und für den Sonntagsgottesdienst am nächsten Morgen wieder hergerichtet werden musste.

Nach dem Gottesdienst hieß es, alles aufbauen für die Sitzung, die dann am Sonntagabend stattfand. Für diese Arbeiten stellte zum damaligen Zeitpunkt Hermann Peun, der spätere langjährige Geschäftsführer des 11er-Rates, eine Art Hebebühne der Elektrochemischen Fabrik zur Verfügung.
Und, wer als Sitzungspräsident sein Handwerk versteht, dachte man, der kann auch Prinz werden. So wurde 1952 Jakob Averbrock zu seiner Tollität Jakob I. gekürt.

1953 wurden durch die Erfolge bereits vier Sitzungen abgehalten.

Aus den Annalen des Jahres 1955 geht hervor, dass "die Kolping-Söhne mit einem sauberen Programm die Angehörigen und die Bürger der Stadt Kempen verwöhnt haben". Zum ersten Mal nach dem Krieg war bei der Sitzung 1955 der gesamte Klerus zu Gast. Mit Probst Lux an der Spitze, der in einer kurzen Ansprache "von der Berechtigung zur reinen, geselligen Freude" sprach, war damit das Thema der unberechtigten Kritiken an den Sitzungen erledigt.

1956 hob man Willy Undorf auf den Prinzensessel, als Willi I. und der 11er-Rat stellte einen Prunkwagen.

1960 übernahm Rudi Körvers nach dem Tod von Jakob Averbrock, der 1959 verstarb, das Amt des Präsidenten. Unter seiner Führung und den Regisseuren Peter Holtermann, Hans Ginders, Fritz Esser und Willi Jansen, nahm die Anzahl der Sitzungen rasant zu.

Aus einem Bericht von 1961 ging hervor, "dass der KKV unter Heinz Ingensiep zu einer Versammlung aller Karnevalsvereine einlud, um den Karnevalsgedanken zu fördern und auf eine breitere Basis zu stellen". Für den 11er-Rat nahm damals Rudi Körvers teil.

Neben drei Sitzungen im Jahre 1965 wurde, unter der Schirmherrschaft des 11er-Rats und der Kolpingfamilie, eine Sitzung für den Kreisblindenverein gestaltet. Der damalige 11er-Rat bestand aus Mitgliedern des Kegelclubs "Stina" - einer Truppe, die von Anfang an dabei war und diverse Programmpunkte mit gestaltete. Hier seien besonders Franz Reinders und Franz Janssen erwähnt.

1971 war das Prinzenjahr von Herbert und Annelise Straeten. Die Anekdote, dass, der Zugbeginn am Rosenmontag ohne den Elferrat stattfand, erheitert noch heute. Man hatte es sich auf Einladung von Zahnarzt Dr. Passmann dort bequem gemacht, bzw. bei diversen Getränken, den Zugbeginn verpasst.

In den Folgejahren wurden jährlich bis zu sieben Sitzungen abgehalten. Der Kartenvorverkauf ging zum Teil klammheimlich oder wild über die Bühne, bzw. Theke. So riefen damals Interessenten für Eintrittskarten in der Vorverkaufsstelle von Hans Averbrock an, wenn sie Brennstoff kauften, ob sie dann Karten erhalten könnten.

Auch die Bewohner des von-Broichhausen-Stiftes hat der 11er-Rat nicht vergessen. Lange Jahre wurde dort im Hause am Sonntag vor Karneval eine kleine Sitzung abgehalten. Ebenso wurde damals von einigen Mitgliedern des 11er-Rates und der Kolpingfamilie die Kreuzkapelle von St. Peter gepflegt und Instand gehalten.

Die Veranstaltungen im alten Kolpinghaus waren so gut besucht, dass sogar die Musik aufpassen musste, einen Stuhl zu erhalten. Manche Sitzungen am Montag gingen nach Ablauf des Programms meist bis Dienstagfrüh. Das Frühstück wurde dann bei den Kempener Bäckereien Hermans, Gerfertz, Wiedefeld, Baumeister oder Michels eingenommen. Evtl. auch bei den Metzgern Fander oder Horten.

Seit 1974 zeichnet der Elferrat verdiente Karnevalisten und Persönlichkeiten mit dem Titel „Dr. humoris causa“ (Dr. h.c.) aus. Neben der Ernennungsurkunde erhalten die Geehrten lebenslang den Sessionsorden und eine jährliche Leibrente von 111 Pfennigen. Diese wurde in einem großzügigen Akt mit Einführung des Euros auf 111 Cent angehoben.

Der erste Dr. h.c. war Heinrich Poeten. Es passierte in einem Jahr, dass der 11er-Rat vergaß, die zugesagte Rente von 111 Pfennigen an Franz Reinders zu zahlen. Dieser wiederum reagierte prompt mit einem Mahnbescheid.


Die bisher mit dem Titel Ausgezeichneten:

  • Heinrich Poethen
  • Karl-Heinz Hermans
  • Herbert Hasenbeck
  • Willi Jansen
  • Stefan Stoffels
  • Fritz Esser
  • Bernhard Messing
  • Franz Reinders
  • August Spohr
  • Theo Herbst
  • Klaus Hülshoff
  • Manfred von Holtum
  • Rudi Körfers
  • Ludwig Krabler
  • Brigitte Plenker


Gemeinsame Reisen nach Frankreich, Italien, Spanien oder Reisen nach Berlin, Norderney bzw. zur Madonna der Eifel in Krautscheid, rundeten das Aktivitätenprogramm des 11er-Rates ab.

Besuche bei allen Kempener Karnevalsveranstaltungen, aber auch bei Karnevalsgesellschaften in Düsseldorf, Hilden, Merzenich, Viersen oder bei den Kolpingfamilien in Oedt, Goch und Willich sollen hier nicht unerwähnt bleiben.

Von 1985 bis 2011 war Heinz-Gerd Plenker Sitzungspräsident. Am 11.11.2011 – ein närrischeres Datum ist kaum vorstellbar – trat Heinz-Gerd Plenker nach langer Amtszeit zurück und übergab die Kette des Sitzungspräsidenten an Peter (Larry) Wolters. Heinz-Gerd Plenker wurde bei der feierlichen Übergabe zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Eine weitere Reform gab es an diesem historischen Tag: Der 11er-Rat-Kolping-Kempen ermöglicht es nun verdienten Aktiven, die aus der ersten Reihe zurücktreten wollen, als passive Mitglieder weiter Teil der Gemeinschaft zu sein. Hierzu ernannte der 11er-Rat Gerd Palm, Bernhard Messing, Lothar Pfeiffer und Hans-Jürgen Reinecke zu Ehrensenatoren.

Geführt wird der 11er-Rat-Kolping-Kempen seit Jahren durch den Vorsitzenden Bernd Berger. Die Regie zu den Sitzungen führt Ferdi Stoffels und damit ebenso Vorstandsmitglied wie der Sitzungspräsident Peter (Larry) Wolters. Zum Vorstand zählen darüber hinaus der Geschäftsführer Jürgen Pascher und der Schriftführer Jürgen Pasch.

Aus den Reihen des 11er-Rates kamen bisher die Prinzen:

1952 - Jakob I. Averbrock
1965 - Bernhard Messing (11er-Rat nach Regentschaft)
1980 - Franz I. und Irene I. Jansen
1986 - Rudi II. Körvers

Schließen möchten wir diese Chronik für den Moment mit einem Vierzeiler des ehemaligen Prinzen und Präsidenten des 11er-Rat-Kolping-Kempen, Rudi Körvers:

Man liebt des Lebens heitere Seiten,
man freut sich gern in dieser Stadt

auch daran und nicht seit Heute,
dass man in Kempen Kolping und den Kolping-Elferrat hat.

Kempen, im Mai 2015